"100 berühmte Frauen" – ein Kunstprojekt, das sich der Darstellung bedeutender Frauen der Geschichte widmet. Die Serie begann 2023 und umfasst Porträts von Persönlichkeiten wie Frida Kahlo, Nofretete, Clara Zetkin, Käthe Kollwitz, Margarete Steiff ... Mit "100 berühmten Frauen" öffne ich einen Raum, in dem ihre Geschichten wieder leuchten.

Diese Frauen haben Grenzen überschritten, gegen Widerstände gekämpft. Ihre Namen verblassten häufig in Geschichtsbüchern, einige wurden kaum erwähnt. Mit jedem Strich erwecke ich sie zum Leben – ihre Zweifel, ihre Triumphe, ihre Entschlossenheit werden sichtbar. Jede von ihnen trägt ein Stück Mut, Hoffnung, Zukunft in sich. Zusammen formen sie ein Mosaik, das zeigt, wie stark weibliche Perspektiven unsere Geschichte geprägt haben – in Wissenschaft, Kultur, Politik, Kunst und im Alltag. Es geht mir dabei nicht darum, etwas völlig Neues zu erschaffen, sondern ihre Geschichten so zu erzählen, dass wir sie spüren können. Es ist immer wieder eine Botschaft: „Wir waren hier, wir haben gekämpft, wir haben verändert.“

Noch viele Geschichten warten darauf, erzählt zu werden. Doch die ersten Porträts sind bereits eine Brücke zwischen unseren Generationen, eine Erinnerung daran, dass jeder Traum zählt. Dieses Projekt ist ein Ruf an alle Frauen: Glaubt an euch, träumt große Träume, geht euren Weg! Denn in jedem von uns steckt eine unglaublich große Kraft, eine neue, ganz außergewöhnliche Geschichte zu schreiben.

Franziska Tiburtius – Eine Frau, die Grenzen sprengte

 

Sie gehört zu den beeindruckendsten Frauen des 19. Jahrhunderts – nicht nur, weil sie eine der ersten deutschen Ärztinnen wurde, sondern weil sie sich gegen ein System behauptete, das Frauen systematisch ausschloss. 

 

In den 1870er‑Jahren waren die Universitäten männliche Räume. Frauen galten als „zu schwach“, „zu emotional“ oder „nicht geschaffen“ für wissenschaftliche Arbeit – Vorurteile, die heute absurd wirken, damals aber den Alltag bestimmten. Die Gesellschaft war überzeugt: Frauen sollten sich um Haushalt und Kinder kümmern. Akademische Bildung würde sie überfordern. Wissenschaftliche Arbeit würde die weibliche Natur gefährden. Diese Denkweise war offiziell! Universitäten verweigerten Frauen die Zulassung.

 

Tiburtius ging nach Zürich, einer der wenigen Orte in Europa, an denen Frauen überhaupt studieren durften.

Selbst dort war der Alltag geprägt von Skepsis. Viele männliche Studenten sahen die Frauen als Eindringlinge in ihre akademische Welt. Tiburtius studierte und schloss erfolgreich ab.

 

Nach ihrem Abschluss kehrte sie nach Berlin zurück, doch die deutschen Behörden erkannten ihr Diplom zunächst nicht an. Wieder standen ihr männliche Entscheidungsträger gegenüber, die überzeugt waren, dass eine Frau keine Ärztin sein könnte. Erst nach langem Kampf erhielt sie die Erlaubnis, eine Praxis zu eröffnen – gemeinsam mit ihrer Kollegin Emilie Lehmus. Ihre Praxis wurde zu einem wichtigen Ort für Frauen, die sich lieber von Ärztinnen behandeln ließen. Tiburtius bewies damit nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch, wie dringend die Gesellschaft Frauen in der Medizin brauchte.

 

Franziska Tiburtius zeigte deutlich, wie viel Entschlossenheit nötig war, um die gesellschaftlichen Barrieren durchzubrechen. Sie hat für alle Frauen gekämpft, die nach ihr kamen. Ihr Erfolg war ein Schlag gegen die männlichen Vorurteile ihrer Zeit – und ein Schritt hin zu einer gerechteren akademischen Welt.

 

Wenn wir heute über Gleichberechtigung sprechen, sollten wir Frauen wie Franziska Tiburtius nicht vergessen. Sie haben den Weg geebnet, den wir heute so selbstverständlich gehen.

 

"Franziska Tiburtius"

Porträt-Serie "100 berühmte Frauen", Nr. 21 (überarbeitet)

Kohlezeichnung 30x40 cm

Entstehungsjahr 2026